Detail view (selection)

Außenlager des Konzentrationslagers Mauthausen
ID 835
Place Wiener Neustadt
Name
Area Reichsgau Niederdonau (1938-1945)
Opening 20.06.1943; 05.07.1944 (Wiedereröffnung) [LIT]
Closing 20.11.1943; (nach Wiedereröffnung) 31.03./01./02.04.1945 [LIT]; Die Häftlinge wurden am 01./02.04.1945 in das Außenlager Steyr, wo sie am 07./08.04.1945 angekommen sind, "evakuiert".
Deportations Am 01. und 07.10.1943: jeweils ein Häftling nach KZ Mauthausen; am 09.11.1943: 200 Häftlinge in das Außenlager Schlier Redl-Zipf; am 17.11.1943: 30 Häftlinge in das Außenlager Ebensee; am 20.11.1943: 375 Häftlinge über das KZ Buchenwald in das Außenlager Dora; am 26.12.1944: 150 Häftlinge in die Außenlager Mödling und Hinterbrühl [LIT]
Prisoners
Sex Männer
Company Rax-Werke GmbH, Wiener Neustadt, Pottendorfstraße 39
Kind of work Zusammenbau der "großen Serbenhalle", Kanalisations- und Erdarbeiten, Raketenproduktion, Tender- und Marine-Artillerie-Leichterbau, Aufräum- und Reparaturarbeiten nach Bombenangriffen [LIT]
Remarks Die Entstehung des Außenlagers Wiener Neustadt ist im Zusammenhang mit der Gründung der dortigen Rax-Werken zu sehen. Diese wurden am 05.05.1942 durch die Fa. H & S (Henschel und Sohn) und die angegliederte LOFAG (Wiener Lokomotivfabrik AG) mit der Absicht gegründet, dort die kriegswichtige Produktion von Tendern und Flak-Geschützrohren aufzunehmen. Die Aufnahme der Produktion in einem großen Maßstab verlangte einen Ausbau des Standorts. Daher ließ man in "Zusammenarbeit" mit der Wehrmacht in Kraljevo (Jugoslawien) zwei große Fabrikhallen konfiszieren und in Wiener Neustadt wieder aufbauen. Es sollte allerdings nicht zu einer Produktion von Geschützrohren kommen. Seit Ende 1942 suchte das Heereswaffenamt (bzw. ab Anfang 1943 der Sonderausschuß A 4) nach einem neuen Standort für die Serienproduktion der V 2-Rakete. Die Aufnahme der Produktion in Wiener Neustadt bot sich deshalb an, weil das Gebiet - zumindest zu dieser Zeit - im Gegensatz zu den bisherigen Standorten Friedrichshafen und Peenemünde [s. a. Karlshagen Nr. 1033 des KZ Ravensbrück u. Friedrichshafen, Nr. 372 des KZ Dachau] noch außerhalb der Reichweite alliierter Bomber war, weil die bisher noch ungenützte große Produktionshalle (die sogenannte "große Serbenhalle" aus Kraljevo) zur Verfügung stand und mit den Rax-Werken ein metallverarbeitender Betrieb die notwendigen technologischen Voraussetzungen mitbrachte. Aufgrund mangelnder Arbeitskräfte wurde auf Bestreben des Sonderausschusses A 4 bei den Rax-Werken ein Außenlager für KZ-Häftlinge errichtet. Die ersten 517 vor allem französichen Häftlinge aus dem Stammlager Mauthausen kamen am 20.06.1942 in Wiener Neustadt an und wurden in einem Anbau der Produktionshalle untergebracht. Die ersten Arbeitskommandos der Häftlinge wurden bei der Fertigstellung der "großen Serbenhalle" und beim Ausbau der Infrastruktur eingesetzt. Die Raketenproduktion selbst wurde im Juli aufgenommen. Mit dem zweiten Transport von 722 KZ-Häftlingen am 8. August stieg die Häftlingszahl im Außenlager Wiener Neustadt auf über 1.200 KZ-Zwangsarbeiter an. Wiederum waren Franzosen die größte Gruppe des neuen Transports, des weiteren handelte es sich vor allem um Menschen aus der UdSSR und Polen. Mehrere Bombenangriffe auf die Versuchsanstalt Peenemünde, auf Friedrichshafen und Wiener Neustadt führten dazu, daß die ursprünglich Absicht, die Endmontage der V 2-Raketen in den Rax-Werken durchzuführen, fallengelassen wurde. Während anfänglich noch an eine Teilproduktion gedacht wurde, entschied der Sonderausschuß A 4 nach einem Bombenangriff am 02.11.1943, bei dem zum ersten Mal auch die "große Serbenhalle" getroffen wurde, die V 2-Produktion in Wiener Neustadt einzustellen und komplett in das "Mittelwerk" [unterirdische Rüstungsfabrik bei Nordhausen, s. a. Nr. 837, KZ Mittelbau-Dora] zu verlegen. Nachdem bereits im Oktober 600 Häftlinge in das neue Außenlager Zipf (Auslagerung der Sauerstoffproduktion, [s. Schlier Redl-Zipf, Nr. 810] verlegt worden waren, wurde das Außenlager mit der Verlegung der restlichen Häftlinge am 20.11.1943 vorübergehend geschlossen. Kurze Zeit später beschlossen die Rax-Werke, erneut KZ-Häftlinge anzufordern und die ungenutzten Kapazitäten für die Prokuktion von Marine-Artillerie-Leichtern (kleinere Schiffe) zu nutzen. Der erste Transport mit 300 Häftlingen traf am 05.06.1944 in Wiener Neustadt ein, ein weiterer mit 204 Personen folgte Ende Juli. Bis zur Auflösung des Außenlagers bewegte sich die Belegungsstärke zwischen 500 und 700 Häftlingen. Insgesamt waren die Lebens- und Arbeitsbedingungen im Vergleich zu anderen Lagern relativ erträglich. Obwohl die Häftlinge hungerten, waren die Lebensmittelrationen zumindest zum Überleben ausreichend. Es mußte kein langer Weg zur Arbeitsstätte zurückgelegt werden und sowohl Arbeitsplatz wie Unterkunft lagen in geschützen Räumen, die allerdings während der zweiten Phase des Außenlagers teilweise durch Bombenangriffe zerstört waren. Überdies fand eine notdürftige medizinische Versorgung statt. Gemäß des "Totenbuchs des Standortarztes Mauthausen" starben in der ersten Phase von Juni bis November 1943 dreißig Häftlinge, wovon vier durch Bombenangriffe starben und ein Häftling "Freitot durch Erhängen" beging. In der zweiten Phase von Juli 1944 bis März 1945 starben 42 Menschen. Besonders in der letzten beiden Monaten scheinen sich die Verhältnisse so verschlechtert zu haben, daß die Todesrate stark anstieg. Das Lager wurde wahrscheinlich am 30.03.1945 aufgelöst. Ungefähr 540 Häftlinge mußten sich auf einen "Todesmarsch" in das Außenlager Steyr begeben. 50 - 60 Marinesoldaten trieben die Häftlinge 25 - 30 Kilometer pro Tag voran. Während der "Evakuierung" des Lagers starben insgesamt 20 Häftlinge, von denen die meisten höchstwahrscheinlich von den Wachmannschaften erschossen wurden. Während schon zur Zeit des "normalen" Lagerbetriebs einige Häftlinge fliehen konnten, gelang bei der Flucht vor der sowjetischen Armee noch einmal 13 Häftlingen die Flucht. [LIT]
Map entry
Literature reference Benz/Distel 4 2006, p. 465-470
Freund/Perz 1987
ITS 1979 (Default reference)

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